Kontakte „FLIPpen“ – Beziehungen bewusst vertiefen
Ein starkes Netzwerk entsteht selten durch einen einzigen großen Moment. Meist wächst es durch viele kleine Aktionen: ein ehrlicher Glückwunsch, eine hilfreiche Information, eine Einladung, eine Vorstellung oder irgendwann ein gemeinsames Projekt.
Genau darum geht es beim FLIPpen von Kontakten. Der Begriff darf dabei nicht missverstanden werden: Es geht nicht darum, Menschen strategisch zu bearbeiten, bis sie uns irgendwie nützlich werden. Beziehungen sind keine Verkaufstrichter mit Puls.
FLIP beschreibt vielmehr vier mögliche Entwicklungsstufen einer Beziehung. Wir können Gelegenheiten schaffen, Aufmerksamkeit schenken und etwas beitragen. Ob daraus mehr entsteht, entscheiden immer beide Seiten.
F – Funke: Interesse entstehen lassen
Am Anfang kennen wir uns vielleicht nur flüchtig. Das Ziel ist noch keine Zusammenarbeit, sondern zunächst etwas viel Einfacheres: positiv wahrgenommen werden und echtes Interesse zeigen.
Dazu braucht es keine großen Gesten. Du gratulierst zu einem Erfolg – nicht mit dem automatischen „Herzlichen Glückwunsch!“, sondern mit zwei persönlichen Sätzen. Du kommentierst einen Beitrag mit einem Gedanken statt mit einem Daumen. Oder Du schickst jemandem eine Information mit: „Das hat mich an unser Gespräch erinnert.“
Das Entscheidende ist nicht die Aktion selbst. Es ist die Botschaft dahinter: Ich habe Dich wahrgenommen.
L – Link: Eine echte Verbindung schaffen
Aus einem losen Kontakt soll nun eine Beziehung werden, in der man einander besser kennt. Ein persönliches Gespräch, eine Einladung zu einer passenden Veranstaltung oder eine erste Kontaktvermittlung können diesen Link herstellen.
Vielleicht erzählt Dir eine Unternehmerin, dass sie gerade Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeiter zu finden. Eine Woche später lernst Du jemanden kennen, der genau dabei helfen könnte, und stellst beide einander vor.
Kein Verkauf. Keine Erwartung. Aber ein Grund, warum diese Beziehung plötzlich mehr ist als ein Eintrag im Handy.
Denn interessante Geschäftspartnerschaften entstehen selten in einem einzigen Gespräch. Sie entwickeln sich.
I – Interaktion: Beide werden aktiv
Jetzt verändert sich die Beziehung. Nicht mehr nur einer investiert: Beide beginnen, etwas miteinander zu tun. Eben eine Inter-Aktion.
Der andere meldet sich auch mal. Man tauscht Informationen aus, stellt einander gezielt Kontakte vor, entwickelt gemeinsam Inhalte oder arbeitet erstmals an einem Projekt.
Ein Fotograf und eine Webdesignerin kennen sich beispielsweise schon länger. Irgendwann merken sie, dass sie häufig mit denselben Kunden arbeiten. Also beginnen sie, einander bereits früh in Projekte einzubeziehen. Aus „Ich kenne da jemanden“ wird langsam „Wir können gemeinsam etwas besser machen.“
P – Partnerschaft: Gemeinsam denken
Partnerschaft bedeutet nicht zwangsläufig gemeinsame Firma, einen Vertrag oder Joint Venture. Es bedeutet zunächst, dass man den anderen in der eigenen Planung mitdenkt.
Man tritt vielleicht mal gemeinsam auf, entwickelt Angebote, plant gemeinsame Veranstaltungen oder empfiehlt einander gezielt bei wichtigen Kunden. Der Kontakt ist nicht mehr zufällig. Die Zusammenarbeit ist wird gelebt. Zu späteren Zeitpunkten gibt es auch mal einen gemeinsamen Schreibtisch, Jour-Fixes, die manchmal das Private vom Beruflichen nur noch bedingt trennen.
Der entscheidende Unterschied: Jetzt fragt man nicht mehr nur „Was kann ich für Dich tun?“, sondern immer häufiger „Was könnten wir gemeinsam möglich machen?“
FLIP ist deshalb auch keine Checkliste, die man bei jedem Menschen von F bis P abarbeitet. Manche Kontakte bleiben beim Funken, andere werden zu guten Verbindungen und nur wenige zu echten Partnern. Das ist vollkommen in Ordnung. Andere Menschen haben auch andere Prioritäten.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Menschen zu „flippen“. Das Ziel ist, den Beziehungen Aufmerksamkeit zu schenken, bei denen beide Seiten spüren: Hier lohnt es sich, mehr miteinander zu machen.
Denn gute Netzwerke entstehen nicht dadurch, dass man Kontakte sammelt. Sie entstehen dadurch, dass man Beziehungen pflegt, bevor man sie braucht.