Der MMA-Falle durch BNI entgehen
MMA: Nicht alles, was wir machen, sollten wir auch machen
Fast jedes Unternehmen hat drei Arten von Aufgaben: Dinge, für die Kunden genau zu uns kommen. Dinge, die halt irgendwie erledigt werden müssen. Und Dinge, bei denen wir irgendwann beschlossen haben: „Ja, machen wir auch.“
Die drei zu unterscheiden und zu wissen, wie man mit jedem umgeht, ist eine der zentralen Fragen für jedes Unternehmen.
1. Kernkompetenz – dafür sollen Dich Deine Kunden kennen
Jedes Unternehmen sollte über Kernkompetenzen verfügen. Das sind jene Leistungen, bei denen wir besonders gut sind, Erfahrung haben, vernünftig kalkulieren können und einen echten Mehrwert für Kunden schaffen.
Nehmen wir einen Fotografen.
Seine Kernkompetenz könnten hochwertige Businessportraits sein. Er weiß, wie Menschen vor der Kamera wirken, wie Licht gesetzt wird. Aber er weiß auch, wie man auch aus einem Menschen, der beim Wort „Fototermin“ spontan Fluchtgedanken entwickelt, ein gutes Bild herausholt, wie man eine Umgebung schafft, in der Menschen sich wohl fühlen, Stress ablegen und damit auf den Fotos entspannter wirken. Vielleicht hat er noch eine Spezialisierung auf Kinder, kann diese begeistern und zu einem natürlichen Lachen bringen.
Dafür hat er Ausrüstung, Erfahrung und die passende Geisteshaltung - und hoffentlich auch Kunden, die bereit sind, gutes Geld zu bezahlen.
Kernkompetenz ist das, wovon wir möglichst mehr machen wollen.
Denn Spezialisierung schafft Vorsprung: Wer seine Stärken kennt, kann sein Unternehmen gezielter entwickeln und sein Angebot klarer kommunizieren. Eine Stunde Entwicklungsarbeit in Deiner Kernkompetenz bringt langfristig weit mehr Ertrag als eine Woche Basisausbildung in einer Kompetenz, die unzählige andere auch anbieten.
Auch ein starkes Netzwerk unterstützt genau dabei – durch passende Partner, Wissen und Spezialisierungsmöglichkeiten.
2. WSP – „Wird schon passen“
Dann gibt es in jedem Unternehmen Dinge, bei denen wir weniger enthusiastisch hinschauen.
AGB? Haben wir gegoogelt. Wird schon passen.
DSGVO? Haben wir irgendwann einmal etwas heruntergeladen.
Arbeitsrecht? Unser Mitarbeiter hat sich bisher nicht beschwert.
IT-Sicherheit? Wir haben ein Passwort. Sogar eines mit Rufzeichen.
Das ist WSP: Wird schon passen.
WSP betrifft häufig das administrative Business: Recht, Steuern, Datenschutz, Versicherungen, Finanzierung, IT-Sicherheit, Personalthemen und ähnliche Bereiche. Wir müssen sie irgendwie erfüllen, aber kein Fotograf hat mit der Ausbildung begonnen, weil die Idee auf das Verfassen von AGBs und das Berechnen der Umsatzsteuervoranmeldung ihm so begeistert, oder auch nur interessiert.
Das Problem dabei: WSP ist ein Minenfeld. Man kann jahrelang darüberlaufen und glauben, alles sei wunderbar. Bis es einmal klick macht.
Deshalb brauchen wir für diese Themen Experten in unserem Netzwerk. Menschen, deren Kernkompetenz genau dort liegt, wo bei uns „Wird schon passen“ beginnt. Gerade der Zugang zu Experten für Rechtsfragen, Förderungen oder andere unternehmerische Themen ist ein wesentlicher Wert eines starken Chapters.
Und eine wichtige Unterscheidung:
WSP darf es im administrativen Umfeld geben – dort holen wir uns Experten. Wer WSP in seinem operativen Geschäft hat, produziert früher oder später Mängel.
Da sagt der Fotograf: „Belichtung? Wird schon passen.“ Oder: „Das 14er Objektiv ist grad drauf – na dann zeigt die Braut halt etwas mehr Nase.“ Wer das macht, hat sehr rasch ein ganz anderes Problem.
Wenn Dein Gasinstallateur beim Warten der Therme sagt “wird schon passen” empfiehlt es sich das Rauchen einzustellen und das Haus zu verlassen.
Aber wer WSP im Kernbusiness betreibt, betreibt nicht lange ein profitables Business, daher schlägt hier der wirtschaftliche Darwin zu.
3. MMA – „Mach ma auch“
Spannender wird es bei den Leistungen, die tatsächlich zu unserem operativen Geschäft gehören.
Wir können sie.
Wir bieten sie an.
Aber eigentlich wollen wir sie gar nicht besonders häufig machen.
Das ist MMA: Mach-Ma-Auch.
Fragt ein Kunde: „Macht ihr eigentlich auch …?“, kommt reflexartig:
„Ja, machen wir auch.“
Nicht unbedingt, weil wir darin besonders gut oder profitabel sind. Sondern weil es dazugehört, weil Kunden danach fragen oder weil größere Projekte diese Leistung manchmal erfordern.
Unser Businessfotograf macht beispielsweise hervorragende Businessportraits. Ein Kunde fragt ihn aber, ob er zusätzlich bei einer Hochzeit die Fotos machen kann.
Kann er das fotografieren? Natürlich.
Ist es deshalb ein gutes Geschäft für ihn? Noch lange nicht.
Vielleicht fehlen ihm die Mitarbeiter, oft aber auch einfach die Routine. Vielleicht fährt er stundenlang durch die Gegend. Vielleicht blockiert der Auftrag genau jene Tage, an denen er wesentlich profitablere Business-Shootings machen könnte. Vielleicht hasst er einfach Hochzeiten?
Er macht Umsatz – verdient erstaunlich wenig damit, und die Kunden bekommen oft auch gar nicht das Erlebnis, welches sie verdient haben.
Das ist ein klassisches MMA.
4. MMA ist nicht schlecht – schlecht ist, es selbst machen zu müssen
Der entscheidende Gedanke lautet deshalb nicht:
Wie werde ich diese Leistung los?
Sondern:
Für wen in meinem Netzwerk könnte mein MMA eine Kernkompetenz sein?
Vielleicht gibt es einen Fotografen, der genau auf Hochzeitsfotografie spezialisiert ist. Der hat die Abläufe, die Mitarbeiter, die Routine, die Logistik und vielleicht einen enorm romantischen Zugang zum Ja-Wort.
Was für den einen mühsames „Mach ma auch“ ist, kann für den anderen ein hervorragendes Geschäft sein.
Und plötzlich entsteht eine interessante Partnerschaft.
Der Businessfotograf gibt die Hochzeits- und Eventfotografie weiter. Damit fällt bei ihm eine schlecht kalkulierte oder sogar negative Position weg. Gleichzeitig gewinnt er Zeit für jene Aufträge, bei denen seine eigene Kernkompetenz gefragt ist.
Der andere Fotograf erhält dagegen genau jene Arbeit, für die sein Unternehmen gebaut ist.
Das ist keine Konkurrenzvermeidung.
Das ist Arbeitsteilung.
Die spannende Frage im Chapter
Deshalb lohnt sich im Chapter nicht nur die Frage:
„Was ist Deine Kernkompetenz?“
Fragt Euch gegenseitig auch:
„Was ist Dein Mach-Ma-Auch?“
Denn genau dort können überraschend starke Geschäftspartnerschaften entstehen. Oft sogar zwischen Menschen, die auf den ersten Blick beinahe Konkurrenten sind.
Der Elektriker, der Smart-Home „auch macht“, trifft den Smart-Home-Spezialisten.
Die Werbeagentur, die Messestände „auch macht“, trifft den Messebauer.
Der Möbeltischler, der “auch mal” im Rohbau ein paar Fenster einbaut, wo seine Zehntelmillimeterkompetenz völlig vergeudet ist.
Und der Fotograf, der Hochzeitsfotografie „auch macht“, findet einen Fotografen, der morgens aufsteht, sich darauf freut und eine ganze Garderobe hat, farblich auf das Hochzeitskonzept abgestimmt.
Gutes Netzwerken bedeutet daher nicht nur, mehr Geschäft zu bekommen. Es bedeutet auch, das falsche Geschäft sinnvoll weiterzugeben.
So wird aus einem vermeintlichen Branchenkollegen plötzlich ein Schlüsselpartner. Genau solche ergänzenden und verwandten Berufe können ein Unternehmen im Netzwerk wesentlich stärker machen.
Am Ende ist die Rechnung einfach:
Weniger WSP. Weniger MMA. Mehr Kernkompetenz.
Und idealerweise landet Dein MMA bei jemandem, der sagt:
„MMA? Das ist bei mir KK.“